Andreas Weber: Biokapital

16. Oktober 2009

Heute erwartet den geschätzten Leser, die geschätzte Leserin dieses Blogs nicht ein erneuter Erguss weltverbessernder Ideen dieses Blogteams.

Nein, vielmehr möchten wir heute die Ferien-Stimmung nutzen, um hier im Blog in aller Ruhe ein Stück guter Lektüre zu empfehlen. Andreas Weber hat die Welt der Publizistik unlängst mit einem Buch über den Umgang unserer Zivilisation mit dem Ökosystem beglückt.

"Biokapital" von Andreas WeberAuf philosophischen, wissenschaftlichen, historischen und moralischen Pfaden gleitet der Autor durch reportagenhafte Schilderungen und sorgsam ausformulierte Gedankengänge.

Obgleich hin und wieder leicht entrückt, gelingt es Andreas Weber, seine Botschaft zu transportieren – und im Kern ist vieles dran an seinen Theorien. Mit der wesentlichen Philosophie dieses Blogs harmoniert das gut: Soziales muss mit Ökologischen verbunden werden, um eine Gesellschaft der Zukunft zu schaffen und globalgesellschaftliche Probleme wie Klimawandel und Ungerechtigkeit zu lösen. Vielleicht fällt es einem Biologen und Philosophen (wie der Autor es ist) leichter, das zu begreifen, als anderen.

Weber konstatiert zunächst die problematische Situation des globalen Geoökosystems – Ausbeutung und Überlastung machen es für uns als abhängige Erdbewohner notwendig, den kurs zu ändern. Umso mehr macht das laut Weber Sinn, weil  das dauernde Wirtschaftswachstum, nach dem unser System strebt, gar nicht mehr den gewünschten Effekt hat: Die Menschen werden dadurch nicht glücklicher -im Gegenteil: „Wirtschaftswachstum und Deppressionszunahme sind statistisch miteinander verbunden“, sagt Robert E. Lane, US-Glücksforscher.

Andreas Weber sieht eine wesentliche Chance und Antwort auf unsere Probleme in der Re-Lokalisierung und in der Umkehrung  des Zinstriebs des Kapitalismus. Was bis hierhin eine klare Ausführung war, driftet nun ab in Richtung schwammiger Globalisierungsskepsis. Die ist in Ordnung – aber einfach die Globalisierung verantwortlich zu machen für globale Probleme, ist zu einfach.

Der Autor vermag es, eine umfassende Analyse abzugeben –  es mangelt ihm jedoch an Konsequenz, seine Gedankengänge zu einer in sich geschlossenen Zukunftsvision fortzuentwickeln. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt. Folglich schließt Weber mit einer ernüchternden Erkenntnis:

„Vielleicht kann gesellschaftliche Veränderung heute nur als kalter Drogenentzug ablaufen: Auch hier weiß der Patient unterschwellig, was sein Problem ist, will es aber nicht wahrhaben und sein Verhalten nicht ändern.“

Wir haben die wesentlichen Gedanken des Buches in einem „Abstract“ zusammengefasst – das findet sich hier.
Wer sich einige Stunden Zeit nehmen möchte, dem sei die Lektüre des Buches ausdrücklich empfohlen!

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