Zeit für Klimagerechtigkeit!

7. Oktober 2009

Bislang regelte das Kyoto-Abkommen die Treibhausgasemissionen und ihre Beschränkungen, die für die internationale Staatengemeinschaft gelten – das heißt, nur für die, die das Protokoll ratifiziert haben. Zum Beispiel die USA haben das nicht getan.

Den Anstoß zu internationalen Regelungen (den sog. „Regimes“) gab ein UN-Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro im Jahre 1992 – dort wurden wichtige Rahmenkonventionen beschlossen. Seit Kyoto hat sich auch wieder einiges getan: Wir wissen nun mit Sicherheit, dass wir vor der Herausforderungen eines menschengemachten Klimawandels stehen, der  in seinen Dimension ungekannte Ausmaße erreicht: Selbst die Erwärmung um +2°C gegenüber vorindustrieller Zeit ist mittlerweile nicht mehr aufzuhalten. Durch das langsame Reagieren der Staatengemeinschaft geht es nicht mehr darum, den Klimawandel zu verhindern. Sondern nur noch darum, seine katastrophalen Folgen zu begrenzen. Und diese Entwicklung vollzog sich allein schon in der Lebenszeit dieses Blog.

Die gesellschaftliche Resonanz ist… bescheiden. Genau genommen haben Themen wie Abwrackprämie, Opel-Rettung, Kurzarbeit das Problem „Klimawandel“ von der Agenda gewischt. Nur SPD und die GRÜNEN haben im Wahlkampf versucht, das Thema zu setzen – doch gelungen ist ihnen das nicht. Wenn, dass wurde „Klima“ nur als Stichwort benutzt, um auf das Reizthema „Atomenergie“ umzuschwenken.

Das ist ungerechtfertigt: In Kopenhagen werden wesentliche Entscheidungen gefällt, die die kommenden Jahrzehnte betreffen. Selbst wenn gar nichts entschieden wird: Denn dann ist das auch eine Entscheidung – nämlich für noch mehr Zögern und Verharren.

Die Kollegin Lilli Fuhr  bringt es im Blog „Klima der Gerechtigkeit“ auf den Punkt:

„[Wer sich mit dem Thema Klimawandel beschäftigt], macht sich schon lange keine Sorgen mehr. Ich finde, das Gefühl ist eher mit schleichender Panik zu beschreiben.“

Was also ist zu tun? Schon längst sind weltweit hunderte NGOs und Verbände ins Feld gezogen, um für ambitionierte Beschlüsse in Kopenhagen zu werben. Wissenschaftler schieben Massen an Papier umher und bringen etliche überzeugende Konzepte hervor. Unterhändler von Regierungen feilschen um Halbsätze und Formulierungen, während ihre Chefs, die Staatenlenker, sich nicht auf wirklich Ziele einigen können. Die Industrieländer wollen ihren auf tonnenweise Treibhausgas gebetteten Komfort nicht aufgeben, und die Entwicklungsländer können nicht verstehen, wieso man ihnen keine Entwicklung zugestehen möchte.

Der einzige Weg, voranzukommen, bleibt eine Bewusstseinsänderung. Ja, es ist schwer, sich den Klimawandel – eine abstrakte und globale Gefahr – vorzustellen und ihn auf die eigene Lebenswelt zu beziehen. Wer bei der Darstellung übertreibt, wird bald als Apokalyptiker abgestempelt, der  den teufel an die Wand malt. Wer untertreibt, wird nicht wahrgenommen.

Auch der ehemalige, nach wie vor überall geschätzte UN-Generalsekretär Kofi Annan wird mittlerweile recht nevös und nicht müde, immer wieder auf die Klima-Gefahren hinzuweisen.

Vielleicht ist unsere Gesellschaft nicht in der Lage, sich zügig zu bewegen? Müssen uns erst von außen – durch massive Veränderungen des Ökosystems – grobe Unannehmlichkeiten zugemutet werden, damit wir den Ernst der Lage begreifen? Muss uns erst das Wasser bis zum Hals stehen? Ich hoffe nicht.

YOU-TURN the earth!

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