Verkehr praktisch

11. August 2009

Da wir uns in letzter Zeit doch recht intensiv mit dem Themenbereich „nachhaltige Mobilität“ auseinandergesetzt haben, und schon einige grundsätzliche Thesen entwickelt haben, möchten wir uns noch einmal mehr dem Thema widmen – in einem klitzekleinen Kurzeintrag.

Denn wer verändern will, muss pragmatisch bleiben – und nah an der Realität. Für die Umsetzung der Vision einer nachhaltigen Mobilität bedarf es deswegen guter Glaubwürdigkeit und echter Beispiele.

Ein solches gutes Beispiel für innovative Ideen im Bereich Verkehr ist die englische Universitätsstadt Oxford. Mit ihren knapp 150.000 Einwohnern ist sie weder besonders groß noch besonders klein. Die weltberühmte Universität lockt aber jedes Jahr Zehntausende an – das Verkehrsaufkommen, das Oxford zu bewältigen hat, ist also enorm und für die Stadtgröße absolut überproportional. Hinzu kommt eine zentristische Stadtstruktur: In der Stadt arbeiten, außerhalb wohnen. Auf den engen Straßen müsste eigentlich das reine Chaos ausbrechen. Tut es aber nicht.

Wieso? Nun, Oxford setzt – gar nicht mal vollkommen bewusst – auf nachhaltige Mobilitätskonzepte.

In der Stadt gibt es wenig Parkplätze und viele Fußgängerzonen. Breite Straßenübergänge, weite Bürgersteige, kurze Distanzen. Gute Vorraussetzungen also, einfach mal zu Fuß zu gehen.

Wer (mit dem Auto kommend) in die Stadt will, wird gleich nach der Autobahnabfahrt ermuntert, große Park&Ride Parkplätze zu nutzen. Die liegen komfortabel zwischen Autobahn und Innenstadt (auf der grünen Wiese), haben immer freie Plätze (in die man flott einparken kann) und sind kostenlos. Hat man sein Auto dann abgestellt, nutzt man einen eigens eingerichteten Pendelservice mit gut erkennbaren, grünen Doppelstockbussen, die in engem Takt verkehren -niemand muss lange auf die Busse warten, und man ist schneller in der Stadt als im Schneckentempo mit dem eigenen Auto.

In der Stadt selbst gibt es keinerlei Bahnen – aber etliche Busslinien, alle gut gekennzeichnet und mit einfachen Routen, die jeden Winkel der Stadt mit ihrem sternförmigen Verlauf anbinden. Bedarfsbushaltestellen (Bus hält nur auf Anforderung) und viele Übergangspunkte zu anderen Linien machen die Fahrt flexibel.

Durch das hohe Fahrgastaufkommen haben die ÖPNV-Verkehrsmittel eine gute Auslastung und vor allem sehr angemessene Preise mit Sozialermäßigungen.

Und besonders freut uns: Hunderte Fahrradfahrer sind auf den Straßen unterwegs und werden durch ihre schiere Masse zum gleichwertigen Verkehrspartner: Eine Auto/Fahrrad-Apartheid wie in Kontinentaleuropa ist undenkbar.

Fahrradspuren auf der StraßenbahnDazu tragen besonders die Fahrradspuren am Straßenrand bei, die den Fahrradfahrern eine bessere Chance bieten, voranzukommen, als jeder Fahrradweg auf dem Bürgersteig das könnte.

An Ampeln gibt es „Warteräume“ für die Fahrradfahrer – vor der Haltelinie für PKWs. Und hin und wieder gibt es zusätzliche Fahrradspuren auf dem Gehweg – aber immer nur additiv zu den Straßen-Fahrspuren.

"Bus Lane"Eine weitere exzellente Idee, die sich ob der großen Anzahl der Busse sehr rentiert, sind reine „bus lanes“ – eine Spur reserviert für öffentliche Verkehrsmittel. Die kommen somit schneller voran und sind entsprechend attraktiver.

Oxford hat praktisch umgesetzt, was wir fordern. Und: es klappt!

Das Beispiel ist hervorragend – denn Oxford ist keine Provinzstadt, sondern eine Stadt mit Tradition und Weltruhm. Wenn neue Konzepte hier klappen – wieso sollten sie dann anderswo zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sein? Das Beispiel straft die Lügen, die nachhaltige Verkehrslösungen ablehnen und auf stumpfe individualmotorisierte Mobilität pochen.

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