…immer wieder Krisen?
23. Januar 2009 at 18:44 Hinterlasse einen Kommentar
„Wiederholt sich Geschichte?“, fragte sich der FAZ-Kolumnist Hanno Beck in seinem „Beck-Office“ kürzlich. In der gleichen Zeitung wurden im letzten Monat Artikel veröffentlicht mit dem Titel „Mit der Finanzkrise wiederholt sich die Geschichte“ sowie „Die Geschichte wiederholt sich nicht“ – natürlich immer mit unterschiedlichen Autoren.
Doch ganz gleich, von welcher Seite man sich der Frage nähert, ob es eine Gesetzmäßigkeit gibt, nach der regelmäßig Krisen auftreten – eines ist klar. Es gab immer wieder in der Geschichte der Menschheit Krisen.
Dafür liegen drei Erklärungen nahe. Zum einen ist natürliche die keynesianische Periodik heranzuziehen, nach der Auf- und Abschwungsphasen aufeinander folgen. Zum anderen liegt es in der menschlichen Natur, dem Gegenwärtigen krass entgegengesetzte Positionen zu ergreifen; dabei wird im gesellschaftlichen und ökonomischen Spektrum die „Wellenbewegung“ verstärkt und der Keynes-Effekt betont.
Zudem ist aus sozio-ökologischer Perspektive eine weitere gesellschaftliche Erklärung aufzuweisen. Die Frage nach den „Grenzen des Wachstums“ wird für so manchen, der sich mit Ökologie beschäftigt, zur Sinnfrage.
Kann ein Kapitalismus, dessen marktwirtschaftliches System „immer mehr“ will, wirklich ökologisch und ökonomisch ausgeglichen sein?
Eine Wachstumsrate für jede Volkswirtschaft von mindestens 2% wird als geradezu selbstverständlich empfunden, um hohen Wohlstand wie in den westlichen Gesellschaften zu sichern.
Doch führt man sich vor Augen, was das bedeutet, so fällt auf: Für einen Erhalt des Wohlstands soll Wachstum, auf Ressourcenausbeutung aufgebaut, notwendig sein? Jedes Jahr soll unsere Wirtschaft 2% erfolgreicher sein als zuvor, und im nächsten Jahr vom erhöhten Betrag nochmal 2% mehr, und immer so weiter? Da muss klar sein, dass es nicht unendlich weiter geht – die „Grenzen des Wachstums“ werden erreicht werden. Die Wachstumsspirale nach oben wird sich nicht unendlich fortsetzen lassen und irgendwann ihr Ende finden.
In Rezessionszeiten über „Grenzen des Wachstums“ zu philosophieren, ist zwar bequem – man wirkt prophetisch – aber dennoch unabdingbar. Um eine Lösung zu finden, die zwar weiter Wohlstand sichert – zukünftig auch mehr Menschen als bisher -, aber dennoch nachhaltig ist, müssen wir uns anstrengen. Übertreiben wir die Sucht nach Wachstum nämlich, könnte es irgendwann zu einer „harten Landung“ kommen, einem abrupten Versagen unserer globalökonomischen Systeme. Dies muss kein apokalyptisches Szenario sein – schließlich ist es möglich, Wachstum mehr an Nachhaltigkeit auszurichten.
Es ist langfristig notwendig, unsere Lebensweise noch mehr an weltweiter sozialer Gerechtigkeit und ökologischen Kriterien auszurichten.
Die derzeitige Krise – mit international zu beobachtenden Staatseingriffen in die Märkte – bietet hervorragende Chancen, die globale Wirtschaft und Gesellschaft auf die Zukunft vorzubereiten, und die „Chancen des Wachstums“ zu nutzen. Denn wenn mit Ressourcenausbeutung und Treibhausgasemission wie bislang fortfahren, werden wir an Umweltschäden nur allzu früh bemerken, dass dies langfristig nicht tragbar ist.
Besonders der Klimawandel schwebt hier als Damoklesschwert über uns, das baldiges Handeln erfordert. Die Reaktionen der Bundesregierung auf die derzeitige Weltwirtschaftskrise sind nicht durchweg sinnvoll, in manchem auch kontraproduktiv. Steuern für besonders große Autos als Anreiz zu senken – wie es angedacht ist -, erscheint schlichtweg wahnsinnig.
Wer nun kurzfristig denkt und Geld verpulvert, gewinnt nichts.
„Die Klimakrise ist langfristig gefährlicher als die Wirtschaftskrise“,
schreibt auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace in ihrer „Klimabilanz 2008″: „Es drohen Orkane und Überschwemmungen, Klimaflüchtlinge, das Auftauen der Arktis – die Folgen des Treibhauseffektes werden uns schneller ereilen als bislang angenommen“, sagt Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace. „Die Regierung hat in der Bankenkrise schnell gehandelt, das muss sie endlich auch in der Klimakrise leisten. 2009 darf keine Chance für Klimaschutz verspielt werden.“
Eintrag abgelegt unter Kurzeintrag/Aktuelles, Wirtschaft. Tags: Ökonomie, Finanzkrise, Gerechtigkeit, Grenzen des Wachstums, Kapitalismus, Keynes, Klimawandel, Krise, Nachhaltigkeit, Umwelt, Umweltzerstörung, Volkswirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaftskrise, Zukunft.



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