Wirtschaftskrise vs. Umwelt?

15. Januar 2009

O tempores, o mores – jetzt schreiben wir auch schon darüber. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, die derzeit über uns hereinbricht, ist das bestimmende Thema dieser Wochen. Und wird es wohl auch bleiben. Deswegen widmen wir uns dem Thema und versuchen, den Umweltgedanken auch in der „Krise“ wieder voranzubringen.

Gerade hat die Bundesregierung ein neues Konjunkturpaket in Arbeit, über das so kontrovers gestritten wird wie über kaum eine Krisenlösungs-Maßnahme in den vergangenen Monaten. Während die große Koalition fest zusammensteht, hackt die Opposition auf dem Paket herum. Wie immer liegt die Wahrheit wohl in der goldenen Mitte:  Das Konjunkturpakte ist nicht optimal, aber was ist das schon? Handeln ist besser als Resignieren – nur kommt es natürlich auf die Qualität an.

Einige Gedanken zum Thema müssen wir vorwegschicken.  Zum einen,  ganz essentiell ist der Punkt der Verschuldung. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, so gilt das nicht nur für die Umwelt. „Nachhaltige Entwicklung“ ist eine Entwicklung, die nicht auf Kosten kommender Generationen statt findet (Quelle), und enorme Schuldenberge anzuhäufen, ist definitiv ein Handeln auf Kosten kommender Generationen.

Zum anderen, wir haben es hier schon häufig erwähnt: Umwelt wird oft erst dann ein Thema mit hoher Priorität, wenn die Wirtschaft floriert.

„Erst wenn der Laden läuft, machen wir uns Gedanken über Luxusthemen wir Umwelt“,

denken scheinbar viele Entscheidungsträger. Dass diese Einstellung längst überholt ist, muss jedem klar sein. Dass sie immer noch in den Köpfen ist, lässt sich täglich beobachten. Entwicklungsländer wie die VR China bauen in einem solchen Umfang umweltschädliche Technologien wie Kohlekraftwerke aus, dass es nicht einmal im Traum als nachhaltig bezeichnet werden kann – doch zunächst gilt es dem chinesischen Regime, koste es, was es wolle, den westlichen Wohlstand zu erreichen.
Ein Recht, dass diesen Ländern nicht versagt werden kann: Die DDR tat es genauso, die BRD auch – und letzten Endes sind alle  Industriestaaten groß geworden, indem sie die Umwelt hemmungslos ausbeuteten.

Auch der Blick auf die aktuelle Entwicklung bestätigt das: 2007 war der Klimawandel – neu bestätigt durch IPCC-Report und Al Gores Engagement – das absolute Topthema von Gesellschaft und Medien. Mit der 2008 vollends aufblühenden Subprime-Krise im US-Immobilienmarkt, die Quelle unserer heutigen globalen Finanzkrise ist, wurden die wirtschaftlichen Ängste wieder Hauptthema. Na klar – verständlich ist das:

Individuell geht jedem die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes näher als das Abschmelzen der Polkappen.

Doch rational begründen lässt sich die Präferenz gesellschaftlicher Entscheider, Wirtschaftsthemen über Umweltproblemen auf die Agenda zu setzen, nicht. Denn das Umwelt die Grundlage unserer Wirtschaft, ja, unserer Existenz ist, bleibt volkswirtschaftlich unbestritten. Und logisch ist es natürlich zudem.

Umweltprobleme waren immer schon global. Die Weltwirtschaft ist es heute auch. Doch die Politik kann auf diese veränderte Situation bislang noch nicht in ausreichendem Maße reagieren – denn sie ist weiterhin in nationalen Gefäßen – Nationalstaaten – gefangen und hat höchstens noch auf supranationaler Ebene eine Mitwirkung (Beispiel EU).
Doch eine wirklich schlagkräftige Einigung unter allen von Umweltproblemen betroffenen, also allen Ländern im Bereich Klimawandel etc. gibt es nicht. Umwelt bleibt politisch nachrangig.

Auch das deutsche Konjunkturpaket zielt, wie die Grünen kritisieren, hauptsächlich auf  „Beton statt Umwelt und Bildung“ ab. Da wäre ein Ansatzpunkt gewesen: Schon heute entstehen allein im Bereich „Erneuerbare Energie“ Tausende von Jobs.

Wieso nicht mal selbstbewusst das Thema Umwelt vertreten? Umwelt und Wirtschaft sind kein Widerspruch, sie können gemeinsam politisch behandelt werden. Und nur zu häufig zeigt sich, dass das sogar sehr effektiv ist. (vgl. „Ökologische soziale Marktwirtschaft“)

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1 Comment Add your own

  • 1. Jake  |  15. Januar 2009 at 20:19

    Schön zusammengefasst, was vorgeht – und ein richtiger Anstoß. Sehr schön, mehr!

    Gruß aus Hannover.

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