2009 – die Krise meistern

31. Dezember 2008

Was wird das neue Jahr 2009 bringen? Wir wagen einen Blick in die Zukunft und sagen voraus, welche Themen besonders heiß sein werden. Mit den besten Wünschen für 2009!

  • Amerika

Amerika hat gewählt. Ende Januar wird Barack Obama ins Amt des US-Präsidenten eingeführt. Medien werden den Augenblick als „historisch“ bezeichnen – und das ist er auch. Vom neuen US-Präsidenten dürfen wir eine geänderte Politik in Sachen Klima, Umwelt, Sicherheit, Nahost und ein verändertes Auftreten der USA erwarten. Die bisherige Vormachtstellung wird ein Stück weit zurückgefahren werden, um Verantwortung (die die USA häufig Soldaten kostet) loszuwerden. Aber einer Illusion sollten wir uns nicht hingeben: Die USA werden weiter auf ihre privilegierte Stellung in der Welt im allgemeinen und in der UNO und im Sicherheitsrat im besonderen pochen.
Nur, dass ein ausgesprochen linker Präsident an der Macht ist, bedeutet nicht, dass die USA nicht mehr wichtig sein wollen – zumal sich zeigen wird, dass es Obamas Stärke ist, pragmatisch zu sein. Viele mag das enttäuschen.

  • Deutschland

Auf uns kommen viele wichtige Wahlen zu: Am 7. Juni wird das Europaparlament gewählt – ein Vorgang, der überaus wichtig ist. Europa nimmt als supranationale Organisation viel Einfluss auf unser tägliches Leben! Am 27. September wird dann unser eigenes Parlament, der Bundestag, gewählt. Außerdem finden etliche Wahlen in Ländern und Kommunen an. Vom Ausgang dieser Wahlen – die als GAU im Bund ein Kippen in eine bürgerlich-rechte, (schwarz/gelbe) Regierung nach sich ziehen – hängt ab, wie die deutsche Politik zukünftig aussieht. Besonders kritisch sind Umweltthemen wie Klima oder Atomausstieg, aber auch Konjunktur und Bildung. Es könnte wohl auch eine große Koalition zustande kommen, die zwar handlungsmächtig ist, aber immer auch Verdrossenheit nach sich zieht.

  • Klima-Gipfel

In Kopenhagen wird 2009 v0m 30.11.-11.12. ein globaler Klimagipfel stattfinden. Nachdem die Ergebnisse in Sachen Klima 2008 eher bescheiden waren, muss 2009 zwingend ein ambitionierter Beschluss für eine Nachfolgeregelung des Kyoto-Protokolls gefunden werden. Um einen Beschluss erzielen zu können, muss es eine Einigung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geben: Die ersteren wollen rücksichtslos ihre Interessen durchsetzen, um ihr Wohlstandsniveau zu behalten; die anderen werden sich jedem Beschluss verweigern, der ihren Interessen zuwiderläuft. Besondere Bedeutung kommt Schwellenländern wir Indien und China zu. Und: letzten Endes werden wir als Industriestaaten zurückstecken müssen. Im Interesse der Weltgemeinschaft – alles andere wäre fatal und würde als direkte Konsequenz zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstmperatur um mehr als 3°C führen. Katastrophal.

  • Hiobsbotschaften

Ein Umdenken in Sachen Umwelt ist essentiell notwendig, wenn die Generation eines jetzt 5-Jährigen auch noch wenigstens entfernt so leben können soll, wie wir es heute tun.
Zu einem solchen Umdenken könnten Hiobsbotschaften beitragen, die wir das Jahr über mit absoluter Sicherheit hören werden: Es werden Eisschelfe aus der Antarktis abbrechen, die Arktis und der grönländische Eisschild weiter abschmelzen, Naturkatastrophen werden stattfinden. Und wir werden, dank Politik und Wissenschaft, immer neuer Erkenntnisse über Umwelt und Klimawandel gewinnen. Armut und ihre Auswirkungen, auch und zunehmend durch Klimawandel bedingt, nehmen drastisch zu. 2009 wird nicht der Weltuntergang, aber es wird vielen hunderttausend Menschen wieder eine Vorstellung vermitteln, wie schlimm der Klimawandel tatsächlich ist. Und uns hoffentlich Erkenntnisse, dass wir uns dagegen stellen müssen.

  • Wirtschaftskrise

Und dann ist da noch die Wirtschaftskrise. Ganz klar ist, dass sie uns auch das nächste Jahr über begleiten wird – dazu muss man kein Prophet sein. Schon vom November auf Dezember 2008 stieg die Arbeitslosenzahl in Deutschland um über 100.000 – und das, obwohl die meisten Kündigungen wohl zum 31.12.08, spricht zum Jahresende erfolgen werden. Viele Effekte der Wirtschaftskrise werden wir also erst noch zu spüren bekommen.
Aber nicht nur individuelle Schicksale werden das zu spüren bekommen – auch der Staat hat weniger Geld. Und das ist natürlich gerade in Krisenzeiten fatal. Zum einen wegen Sozialleistungen, die aufzubringen sind. Zum anderen, weil so nötige Investitionen noch schwerer fallen. Und: Umweltschutz genießt häufig erst dann Priorität, wenn die Wirtschaft ansonsten floriert und alle sorglos sind. Geht es aber den Bach hinunter, in die Rezession, so besteht die Gefahr, dass auch Umweltproblemen kein so hoher Stellenwert mehr beigemessen wird.

  • Ölpreis

Auch der Ölpreis wird wieder steigen. Denn der bestehende Automatismus wirkt, ganz klar: Geringeres Angebot, steigende Nachfrage – führt zu einem steigenden Preis. Zudem wird das Ölkartell, die OPEC, auf hohe Marktpreise bedacht sein und die Fördermenge gering halten. Vielleicht kaschiert das, dass der „peak oil“ – der Punkt der maximalen Fördermenge – schon überschritten wurden. Vielleicht kommt aber auch ans Licht, wie nah wir einer „harten Landung“ schon sind. Die Nachricht, dass unser Öl bei steigender oder gleichbleibender Nachfrage nur noch 15-20 Jahre reichen würde, währe nicht überraschend, aber eine Katastrophe: Denn so schwerfällig, wie sich die Weltgemeinschaft zuletzt gezeigt hat, wäre ein 100%-iger Umstieg nicht schnell genug möglich.

  • Russland, China

Vermutlich haben wir im kommenden Jahr erneut agitative Aktionen Russlands zu befürchten. Mit einer neu verlegten Pipeline, die direkt unter Russlands Nase in Richtung Europa führt, Russland aber umgeht, wird der mächtige Riese gereizt. Besonders die Beziehung zu Russlands direkten Nachbarn bietet Potential für so manchen Krieg. Bezüglich der russischen Führung sind keine Nachrichten vielleicht die Besten – weil dann alles wie bisher (in schiefen Bahnen) verläuft, aber zumindestens geregelt. Nachrichten hingegen könnten die Machtergreifung Putins bedeuten.

Auch von China werden wir einiges hören – die Charta08 mag ein Dokument sein, dass in China noch für mehr Wirbel sorgt. Langfristig wird China nicht als ein Reich zu halten sein, sind sich viele Politologen einig. Könnte ein Zerbrechen der KPCh auch ein Zerbrechen Chinas bedeuten?
Zunächst aber wird die fernöstliche Diktatur offensiver in Erscheinung treten: politisch, militärisch und rhetorisch. Von der Welt weitgehend unbeachtet blieb bislang das chinesische Engagement in Afrika – dort kaufen die Chinesen ganze Landstriche auf (Öl-)protektionistischen Gründen.

Insgesamt werden wir 2009 viel Krisenrhetorik und Wahlkampfgetöse hören. Es wird darauf ankommen, genau hinzuhören, was die Gestalter unserer Geschicke sagen, und der (berechtigten!) Panikstimmung keinen zu großen Gefallen zu machen und keinen politischen „Psychologie-Effekt“ aufkommen zu lassen. Investitionen tätigen und kluge Entscheidungen zu treffen, heißt die Devise gerade im staatlichen, aber auch privaten Bereich. Denn vor allem das wird wichtig: zu handeln.

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2 Comments Add your own

  • 1. ein grüner Aufschwung? « green.social blog  |  6. März 2009 at 16:19

    [...] März 2009 Auch wir haben uns viel in Krisenrhetorik geübt. Schon zum Ende letzten Jahres haben wir vorrausgesagt, dass sich “die Krise”, begonnen im Finanzsektor, auf die gesamte Gesellschaft [...]

  • [...] “Und: Umweltschutz genießt häufig erst dann Priorität, wenn die Wirtschaft ansonsten floriert und alle sorglos sind. Geht es aber den Bach hinunter, in die Rezession, so besteht die Gefahr, dass auch Umweltproblemen kein so hoher Stellenwert mehr beigemessen wird”. Auch das ist keine neue Erkenntnis. [...]

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