Katastrophenjahr 2008
29. Dezember 2008
Das Jahresende naht und es wird Zeit, Bilanz zu ziehen. Das Versicherungsinstitut „Münchner Rück“ hat das getan – und kommt zu einem unschönen Ergebnis.
„2008 gab es so viele Katastrophen wie lange nicht“, weiß die SZ, und die dpa meldet:
„MÜNCHEN (dpa-AFX) – Zahlreiche Naturkatastrophen wie Wirbelstürme und Erdbeben haben das Jahr 2008 nach Angaben der Münchener Rück zu einem der schlimmsten seit mehr als hundert Jahren gemacht. Weltweit seien 2008 mehr als 220 000 Menschen ums Leben gekommen, teilte der Rückversicherer am Montag in München mit. Der gesamtwirtschaftliche Schaden lag bei rund 200 Milliarden US-Dollar (140 Mrd Euro). Damit sei 2008 eines der schlimmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Noch verheerender war die Bilanz nur 1995 mit dem Erdbeben von Kobe in Japan, 2004 mit dem Tsunami in Südostasien und 2005 mit seinen zahlreichen Wirbelstürmen.“ (Hervorhebungen von uns)
2005 beliefen sich die insgesamt angefallenen Schäden wegen der Tsunami-Katastrophe auf 210 Mrd US-$. Die Jahre zuvor lag er immer deutlich niedriger. Noch im vergangenen Jahr, 2007, betrugen die gesamtwirtschaftlichen Schäden nur 82 Mrd $ – und damit nur 40% der Schäden diesen Jahres.
Gewiss wäre es vermessen, diese Effekte vollständig auf Klimaerwärmung und globalem Wandel zurückzuführen – sie jedoch überhaupt nicht damit in Verbindung zu bringen, wäre noch gefährlicher!
Auch die Münchner Rück selber analysiert:
„Der Klimawandel hat bereits eingesetzt und trägt mit großer Wahrscheinlichkeit zu immer häufigeren Wetterextremen und dadurch bedingten Naturkatastrophen bei. Diese wiederum richten immer größere Schäden an, da weltweit auch die Wertekonzentration in risikoexponierten Gegenden, etwa an den Küsten, weiter steigt.“
(vgl hierzu: Pressemitteilung der Münchner Rück)
Zwar tragen auch geologische Schäden – also z.B. Erdbeben – zum Schadensvolumen bei. Doch laut Münchner Rück machen Wetterereignisse schon mit die größte Position bei den Naturkatastrophen aus.
Kühl rechnen die Analysten des Rückversicherers aus, dass 2008 das Jahr mit den größten Schäden seit Beginn der Aufzeichnungen ist – nach 2005 (Hauptfaktor Hurrikans und Tsunami) und 1995 (Erdbeben in Asien).
Es fällt auf: Die katastrophenreichsten Jahre liegen alle in den letzten 15 Jahren.
Wie wird es das nächste Jahrzehnt weitergehen?
Sir Nicholas Stern, der ehemalige Chefökonom der Weltbank, hat der britischen Regierung dazu schon vor einiger Zeit einen Bericht vorgelegt. Im „Stern-Report“ legt der Autor dar:
Der Klimawandel ist die größte Katastrophe, der sich die Menschheit gegenübersieht, und hat das Potential, uns auszulöschen.
Es kostet uns 1% des weltweiten Bruttosozialprodukts, die Klimawandel-Folgen auf einem erträglichen Maß zu halten.
Tun wir das nicht, so kann uns der Klimawandel 20% – ein Fünftel! – des globalen BSP kosten, in Schwellenländern mehr.
(vgl. dazu Kurzfassung des Stern-Report [pdf])
Damit ist eine Handlungsperspektive gegeben – und Handlungsbedarf aufgezeigt. Dieser Tage gilt das öffentliche Interesse und alle Aufmerksamkeit der Finanzkrise, welche aus der unreflektierten Kreditvergabe in den USA resultiert.
Wichtiger wäre es, sich vor Augen zu rufen, was uns für eine Krise droht, wenn wir dem Klimawandel nicht entgegensteuern – eine immens gefährlichere Krise nämlich.
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