Wirtschaft der Zukunft – Ökologische Marktwirtschaft
13. November 2008 at 20:58 1 Kommentar
Kommunismus! Sozialismus! Alternativen zur Marktwirtschaft! Soll hier ein neues Wirtschaftsystem erfunden werden? Nein. Ganz zu Anfang soll das geklärt sein. Nein, die Wirtschaft der Zukunft wird nicht viel anders aussehen als unsere heutige. Doch die Spannung ist trotzdem noch drin im Thema:
Denn heute verändern viele Prozesse unsere Welt. Die Globalisierung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Aber, wie wir in den letzten beiden Einträgen ausgeführt haben, spielen auch ökologische Veränderungen eine Rolle. Genau darum soll es hier gehen: Wie kann Wirtschaft in den Bereich der Ökologie implementiert werden? Dass beides zusammenhängt – sehr eng sogar – ist klar geworden.
Von einer „Beziehungskrise“ zwischen Wirtschaft und Umwelt war ganz am Anfang die Rede. Wir haben uns zunächst mit der Natur befasst und sind zu folgendem Schluss gekommen:
„Wir müssen, ohne Zweifel, unseren Umgang mit der Umwelt neu definieren. Das ist schon aus ethischen Gründen und existentiellem Erhaltungsdrang unserer Art notwendig.
Aber dies muss in einem Rahmen geschehen, der sich mit einem (markt-)wirtschaftlichen System vereinbaren lässt, unter Berücksichtigung von Werten wie Demokratie, und zur Erhaltung von Stabilität und sozialem Standard.“
Wie also ist die Beziehungskrise zu lösen, die uns augenblicklich mit dem Klimawandel, aber auch Aspekten wie der Finanzkrise vor so große Probleme stellt?
Im Bereich der Umwelt haben wir die Notwendigkeit zu einem neuen Umgang mit der Natur gesehen, und als Möglichkeit ein Steuermodell vorgeschlagen, dass die Umwelt stärker berücksichtigt und sozial verträglicher wäre als unser jetziges System.
Als letztes Stichwort ist „soziale ökologische Marktwirtschaft“ gefallen. Über die Dimension dieses Begriffs gibt Wikipedia einen guten Überblick. Im Kern geht es darum, Umweltschutz durch Marktmechanismen zu erreichen. Auch darüber hatten wir im letzten Artikel mit dem Thema Umweltethik geschrieben; unser Ansatz war eine Änderung des Steuersystems, welche die Naturnutzung aufgreift – sprich, z.B. für Waldrodung, Meeresüberfischung oder Treibhausgase müssten enstprechende Beträge zur negativen Sanktionierung geleistet werden.
Besonders der letzte Punkt wird in Europa schon zum Teil realisiert: Durch die Vergabe von Emissions-zertifikaten wird ein Kontrollinstrument geschaffen. Und, so schreibt das Bundesumweltministerium, „ökologisch wirksames Handeln wird ökonomisch umgesetzt“. In der Theorie werden Zertifikate erst vergeben und später wegen gehandelt, weil ihre Anzahl immer weiter eingeschränkt wird. In der Praxis hingegen ist genau das bislang unterentwickelt – die Zertifikate wurde verschenkt, und es gibt sie in zu großer Menge. Deswegen ist es bisher zu billig, Treibhausgase auszustoßen.
Doch in dem Zusammenhang muss konsequenterweise auch bedauert werden, was momentan der Trend ist: Der Ölpreis sackt dramatisch ab. Gewiss ist, dass dies ausschließlich auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist – eine der grundlegenden Theorien von green.social basiert ja darauf, dass der Ölpreis nur noch steigen wird. Die steigenden Energiekosten bei Gewinnung durch fossile Brennstoffe bleiben ein Faktum, das unsere Zukunft bestimmen wird – und sie, kehren wir nicht rechtzeitig von ihr ab, zerstören könnte.
Ein hoher Ölpreis schafft also überhaupt erst Marktanreize, auf die (momentan wirklich noch recht teuren) erneuerbaren Energien zu setzen.
Je früher wir uns diesen Energieträgern zuwenden, desto früher werden sich auch ihre Kosten amortisiert haben: Ein Windrad, eine Photovoltaik-Zelle, ein Wasser-Stromaggragat – all das muss sich auch rechnen. Werden fossile Energien teuerer, weist uns nicht nur die Vernunft, sondern auch der Geldbeutel zu ihnen. Dass wir uns voll auf erneuerbare Energieträger verlassen können, zeigt ein Report von Greenpeace [Kurzfassung auf Deutsch].
Das Thema konnten wir hier nur kurz anreißen – aber es ist Kern einer zukünftigen Wirtschaftspolitik. Wir werden nicht darum herum kommen, uns mehr mit Naturschutz zu beschäftigen. Dass das Modell der „sozialen ökologischen Marktwirtschaft“ dabei das Richtige ist, zeigt sich in unseren Präferenzen:
Wir wollen in einer freiheitlichen, demokratischen, rechtsstaatlichen Gesellschaft leben, Solidarität und globale Gemeinschaft üben; aber trotzdem Wohlstand und verträgliches Wachstum nicht aufgeben. Dies zu vereinen, lässt sich nur erreichen im Rahmen eines marktwirtschaftlichen Systems.
Doch gerade das Scheitern des Marktradikalismus, das wir heute erleben – die Niederlage der Ideologie „Der Markt wird`s schon richten“ – zeigt uns, dass die Marktwirtschaft weiter ausgereift werden muss.
Interessante Informationen als Vertiefung finden sich z.B. hier:
- Böll Stiftung: Ökologische Marktwirtschaft [gut aufbreitet, umfassend, informativ]
- Sozialdemokratie: „Ökologische Ökonomie“ [inhaltlich exzellenter Parteien-Beschluss zu dieser Thematik]
- bpb – Bundeszentrale für politische Bildung: Global Marshal Initiative [Ergänzung; Spezielle Projekte]
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1.
Wirtschaftskrise vs. Umwelt? « green.social blog | 15. Januar 2009 um 15:19
[...] Wieso nicht mal selbstbewusst das Thema Umwelt vertreten? Umwelt und Wirtschaft sind kein Widerspruch, sie können gemeinsam politisch behandelt werden. Und nur zu häufig zeigt sich, dass das sogar sehr effektiv ist. (vgl. “Ökologische soziale Marktwirtschaft”) [...]