Umweltethik und Klimawandel

9. November 2008 at 15:58 8 Kommentare

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise hatten wir zuletzt über eine „Beziehungskrise“ zwischen Wirtschaft und Umwelt geschrieben.

„Wirtschaft und Umwelt müssen gleichberechtigt nebeneinander gepflegt und geschützt werden. Es gibt sie nur als Einheit“,

war dabei das Fazit, zu dem wir gekommen waren. Das soll nun nocheinmal im Vordergrund stehen. Heute widmen wir uns zunächst den essentiellen Grundlagen und schreiben über die Umwelt; im nächsten Post werden wir uns dann der Wirtschaft zuwenden.

Die Natur ist schon in einem christlich-theologischen Sinn Ursprung und Grundlage des Lebens (1. Buch Mose, Genesis: Erschaffung der Welt). Weil Gott laut dem Alten Testament die Welt erschaffen und den Menschen überlassen habe, begreift die christliche Lehre die Umwelt als schützenswert. In anderen Religionen ist es ebenso. Und aufgrund des großen Einflusses gerade von Religionen auf Wert- und Normenbildung ist „Umweltvernichtung“ gesellschaftlich generell eher diskreditiert.

Doch Religion hin und her: In einer Zeit, da Natur meist in Form von Parks oder Naturschutzgebieten wahrgenommen wird, spielt die sog. Ökosphäre (=Gesamtheit lebender Organismen; Pflanzen, Tiere, Menschen, auch Erde, Böden, etc.) eine geringe Rolle.
Dabei bleibt festzuhalten: Auch aus wirtschaftlicher, ökologischer oder soziologischer Sicht ist die Natur vollkommen unbestritten Grundlage unserer Existenz.

Eben weil das selbstverständlich ist, bleibt es in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft außen vor. Diese Tatsache führt hingegen dazu, dass Umweltzerstörung zwar als eher negativ angesehen wird, ihr aber nicht die Brisanz zugemessen wird, die sie hat. Denn durch sie zerstören wir unsere Lebensgrundlagen – wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Der nachlässige Umgang mit der Natur macht die Umwelt zum Tatort eines der schlimmsten Delikte der letzten Jahrhunderte – der Prägung einer Gefahr für uns alle. Denn heute kennen wir vor allem eine ökologische Herausforderung:
Den Klimawandel. Und diese drohende Katastrophe hat einen entscheidenden Nachteil: Sie wirkt sich global aus.  Und zudem haben wir keine absolut exakte Gewissheit über die näheren Umstände – wir können zwar Prognosen abgeben (die mittlerweile auch schon sehr exakt sind), aber letzten Endes müssen wir eben doch „abwarten“.

Damit unterscheidet sich der Klimawandel als drängenstes Problem unserer Zeit deutlich von lokalen, begrenzten Umweltproblemen, die sich nur auf einem bestimmten Gebiet in geringer Zeit mit wenigen Beteiligten und nicht so weitreichenden Folgen abspielen.

Ursache der Problematik ist ein falsches Verständnis von Natur, das sich verfestigt hat: Nicht als Ursprung und Grundlage wird Umwelt begriffen, sondern als Produktionsmittel.

Die Umwelt ist wie ein großes Lagerhaus, aus dem sich bislang jeder frei zur eigenen Bereicherung bedienen darf. Ein Fortswirt kauft zwar ein Stück Land, um die Bäume darauf zu fällen (er empfängt die Ware „gratis“ von der Natur, muss nur den Abbau leisten) und zu verkaufen – doch eine Art „Abgabe“ für ökologischen Raubbau muss er nicht zahlen.

Welche Lösungen zeichnen sich also ab? Viele, sei hier gesagt. Denn auf jedes einzelne Problem, vor dass uns die „Beziehungskrise“ zwischen Wirtschaft und Umwelt stellt, verlangt eine eigene Antwort: Überfischung, Brandrodung, Abforstung, abnehmende Artenvielfalt, Tiersterben, Krankheiten, Seuchen, Klimaprobleme, Umweltkatastrophen – Wirbelstürme, Überschwemmungen, … – , etc.

Doch generell lässt sich vielleicht ein Ansatz finden, der auf die wirtschaftlichen Anreize zurückgreift. Mit einer  vollkommenen Änderung unseres Steuersystems wäre das gespaltene Verhältnis zu unserer Natur wieder ein Stück weit zu kitten:
Dazu müssten a) sämtliche jetzt erhobenen Steuern aufgegeben, b) Steuern nur auf Produkte (Konsum) erhoben und c) Nutzung von Natur steuerlich sanktioniert werden. Der letzte Punkt hieße, sowohl Ressourcenabbau (also z.B. Holz fällen, Wasser entnehmen, Fische fangen, Erz fördern), als auch Umweltnutzung durch „Verschleiß“ (also CO2-Emissionen, Abgase, Temperaturmanipulation, usw.) zu besteuern.

Wir müssen, ohne Zweifel, unseren Umgang mit der Umwelt neu definieren. Das ist schon aus ethischen Gründen und existentiellem Erhaltungsdrang unserer Art notwendig.
Aber dies muss in einem Rahmen geschehen, der sich mit einem (markt-)wirtschaftlichen System vereinbaren lässt, unter Berücksichtigung von Werten wie Demokratie, und zur Erhaltung von Stabilität und sozialem Standard.

  • Stichwort: soziale ökologische Marktwirtschaft

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Beziehungskrise: Wirtschaft & Umwelt Wirtschaft der Zukunft – Ökologische Marktwirtschaft

8 Kommentare Füge Deinen hinzu

  • 1. Gerhard  |  9. November 2008 um 18:50

    Kommen wir allein mit Umweltethik weiter?

    Oder verhallt der Ruf nach ökologischem, nachhaltigem Verhalten, das der nächsten Generation gerecht wird, auf- statt abbaut, nicht genau so im Wind, wie alle Beteuerunen bei der Kapitalkrise?

    Wenn ich nicht beobachten würde, dass geistbegabte Wesen für eine „schöpferisch vernünftiges“ Verhalten mehr brauchen, als Problembewusstsein und gegenseitige Ethik-Forderungen, auch wenn die in frommen Sprüchen begründet werden, würde ich mir unter http://www.theologie-der-vernunft.de nicht Gedanken über ein völlig neues Bewusstsein vom Grund des christlichen Glaubens machen.

  • 2. greensocial  |  9. November 2008 um 19:05

    Ein Artikel aus dem Archiv, der gut passt:
    http://greensocial.wordpress.com/2008/07/27/papst-umweltschutz-statt-konsum/

  • 3. greensocial  |  9. November 2008 um 19:18

    Hallo Gerhard,

    vielen Dank für den Kommentar. Deine Überlegungen zu „vernünftiger Theologie“ sind sehr interessant.

    Heute war ich es, der die Verknüpfung Theologie – Umweltthemen gewählt hat. Wenn Du ein bisschen in meinem Blog stöberst, findest Du sicher noch etliche weitere Beispiele und Argumentationen, die in Deinem Sinne sind.

    Generell denke ich: Welchen Problematiken wir heute gegenüberstehen, ist klar. Dabei sollte man nicht in Weltuntergangsgeschrei verfallen und sachlich bleiben.
    Wie man jedoch ein „aktiv werden“ begründet, ist doch eher sekundär – Hauptsache, man wird aktiv. Und das Gewissen ist in dem Punkt einmal mehr ein guter Berater.

    Du magst Recht haben. Es ist schwierig, zu vollkommener Nachhaltigkeit zu gelangen. Aber zunächst braucht man das Wissen um die Umstände. Und ich hoffe, indem ich das hier vermittle, schon Gedankenanstöße zu geben.
    Und ansonsten muss jeder selbst den ersten Schritt tun.

  • 4. Gerhard  |  9. November 2008 um 21:07

    Ich denke, dass das Wissen gerade um die verursachten ökologischen Probleme weitgend vorhanden ist. Auch wenn machmal die Voreingenommenheit oder Eigeninteressen den Verstand verbauen und die Findung der Wahrheit erschweren.

    Da ich sehe, dass jeder weiß, was er macht. Wiir trotzdem weiter unseren Kindern die Nahrung fressen, die Zukunft zerstören… gehe ich davon aus, dass zum schöpfungsvernünftigen Verhalten des Menschen in verantwortlicher Gemeinschaft mehr not-wendig ist. Nur das führte mich zur Theologie.

    Wenn ich davon ausgehe, dass alles Rufen nach dem ersten Schritt bzw. einer ökologischen, sozialen Verhaltensweise vergeben ist, dann bedeutet dies jedoch das Gegenteil von Weltuntergangsstimmung.

    Wie unter der angegebenen Homepage versucht zu belegen, bin ich gewiss, dass wir zu einem völlig neuen Verständnis von Glaube und seiner Grundlage kommen: Uns für eine in der ökologischen Ordnung, dem evolutioären Werden bzw. der Weltgeschichte wahrzunehmenden kreativen=schöpferischen Vernunft begeistern und im Kult befähigen, uns in echt schöpfungsverant-wort-licher Gemeinschaft zu verhalten.

    Ich denke dabei weder an Naturglaube, noch Pantheismus oder eine persönliche Spiritualität, sondern den Grund unserer christlichen Kultur.

    Das, was allerdings hier als „christlich“ verstanden und als Theologie zur Debatte gestellt wird, ist von kreativer, schöpferischer Vernunft, die der Papst inzwischen als biblisches und geschichtliches Wesen Jesus darstellt – auch wenn er es noch im metaphysischen Dunkel eines Dogmas belässt – leider weit entfernt.

  • 5. clemens  |  12. November 2008 um 00:51

    Interessant.
    Ethisch würde ich meinen: Zurück zum Ursprung des Lebens und der Natur, da muss eigentlich nur abgeschaut werden, wie ein Gleichgewicht funktioniert..
    Altruismus über den eigenen Horizont hinaus.
    Oder eben den Horizont weiten.

  • 6. Gerhard  |  13. November 2008 um 15:52

    Nur allein mit Wissen und grünen Forderungen ist das allein nicht zu machen, wenn daraus keine kultisch verwertbare ganz natürlche „schöpferische“ Bestimmung gibt.

    Genau darüber disskutiere ich derzeit mit den Brights im Form, die einen reinen Naturalismus ohne schöpferische Bestimmung vertreten, sich im Hinblick auf die alten Glaubensvorstellungen wehement weigern, den Horizont weiten zu wollen.

  • 7. Umweltethik und Klimawandel «  |  18. November 2008 um 22:40

    [...] und Klimawandel Veröffentlicht in November 18, 2008 von theolounge Von Martin Helfrich. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise hatten wir zuletzt über eine “Beziehungskrise” zwischen [...]

  • 8. Atomkraft, nein danke 2.0 « green.social blog  |  7. Juli 2009 um 20:06

    [...] wir uns hier hin und wieder Gedanken über den Klimawandel machen, ist ja bekannt. In der Debatte um eine zukünftige [...]

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