Ölhahn Saudi

21. August 2008 at 10:00 Hinterlasse einen Kommentar

Über die Wichtigkeit des Öls hatten wir umfangreich berichtet (u.A. hier), über ethische Hintergründe zuletzt im vorletzten Eintrag.
Doch wo kommt das ganze Zeug eigentlich her? BP, Shell, etc. okay, klar – die großen Mineralölkonzerne, deren Namen häufig kryptisch klingen und Joint-Ventures sind. Einer von ihnen ist aber dominant. Und ist im Alltag dennoch weitgehend unbekannt.

Saudi Aramco ist der weltgrößte Ölförderer. Wie der Name nahe legt,  ist es eine saudische Gesellschaft. Damit nicht genug – es ist eine staatliche saudische Gesellschaft, im Besitz von Staat und Königshaus. Als Wächter der Ölhähne sind die Saudi-Aramco-Ingineure gleichzeitig in einer enormen Verantwortung für die Weltwirtschaft, die auf das „schwarze Gold“ angewiesen ist. Und: sie sind Saudi-Arabiens wichtigste Geldquelle, mit dem zwölffachen Börsenwert von Siemens.

Innenpolitisch brisant: Für Staat und Königshaus ist der Ölkonzern die bedeutendeste Kostbarkeit in der Schatztruhe. Um ein gleichmäßiges Fließen von Öl und Einnahmen zu gewährleisten, darf der Konzern westliche Mitarbeiter heranziehen – und auf dem Konzerngelände gelten ganz andere Regeln als im übrigen, streng konservativ-wahabistischen Saudi-Arabien.
Der Konzern operiert, naturgemäß, viel im Umgang mit dem „Westen“ – Amerika, Asien, Europa, den Abnehmern des Öls. Das bringt ihn, obwohl arabisch-muslimischen Ursprungs, in die Zielscheibe von Terroristen. Zumindestens wird der Konzern deswegen kritisch beäugt, und nicht etwa, wie man ob der sprudelnden Einnahmen denken könnte, bejubelt.

Für Saudi-Arabien ist das Öl eine Chance. Leider bisher eine verpasste: Die Demokratisierung geht nicht voran. Das Königshaus hängt einer extrem konservativen Form des Islam an und setzt diese im Land durch; demokratische Strukturen sind nicht gegeben. Obgleich die Könige außenpolitisch zuletzt eher liberal waren, so ist Saudi-Arabien doch absolutistisch, und vom Reichtum kommt bei den Bürgern (zu) wenig an. Die Erlöse aus den ungewöhnlichen Ressourcen müssten in Bildung und Zukunfstechnologien investiert werden – damit würde man den Saudis eine gute Zukunft versprechen.

Denn Zukunftstechnologien meint vor allem: erneuerbare Energien. Momentan ist es noch so, dass für die Implementierung erneuerbarer Energien in umfangreichem Ausmaß viel Geld benötigt wird. Gleichzeitig geben zwei Fakten den Anstoß zum Handeln: Erstens, das Öl fließt noch und wirft derzeit reichliche Gewinne ab. Zweitens, es wird bald Versiegen.
Eigentlich der Moment, sich nach einem Geschäftsmodell für die Zukunft umzusehen – die regenerativen Energiequellen wären eines.

Doch da gibt es zwei Gründe. Der eine ist einfach, aber heikel: „Wir sind die Königsfamilie – wieso vorsorgen oder teilen?“, mögen sich die hohen al-Sauds denken.
Der andere Grund ist geopolitischer Natur: Würde man jetzt bereits massiv erneuerbare Energien einsetzen, verlöre Öl möglicherweise (etwas) an Attraktivität. Solange noch Öl da ist, hat man in Saudi-Arabien deswegen kein Interesse an Alternativen.
Dass das falsch gedacht ist, liegt für uns nahe: Öl hat einfach auch neben der Energieproduktion einen zu hohen Stellenwert, als dass es nicht mehr benötigt würde. Aber, in der Tat: der – momentan künstlich hochspekulierte – Preis würde vielleicht etwas nachgeben.
Und auch insgesamt ist die Saudi-Strategie falsch gedacht. Denn demokratische Teilhabe mit nachhaltigen, vorsorgenden Modellen für die Zukunft bewährt sich in der Regel dann doch am Meisten.

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Machtpolitik im Kaukasus – Energiestrategie Georgien für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft

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