globale Ungerechtigkeit und Klimawandel

15. Juli 2008 at 21:27 2 Kommentare

Vorläufig beenden wir unsere kurze Serie über das Öl – ganz verlassen werden wir das Thema nicht, dazu ist es zu wichtig. Aber räumen wir noch einmal hinter uns auf. In der Diskussion um Umweltfragen, soziale Aspekte oder Wirtschaftsanliegen bleiben häufig jeweils die anderen Themengebiete außen vor.
Doch schließlich ist es gerade das Anliegen dieses Blogs, all jene Aspekte zu verbinden, die mit in die Thematik einwirken.

In der Lösung von Klimafrage und sozialem Ungleichgewicht entscheidet sich die Zukunft unseres Planeten. Nicht mehr, und nicht weniger.

Zu diesem Schluss waren wir zuletzt gekommen. Heute soll es darum gehen, dies zu vertiefen. Das Klimaproblem steht als solches fest – ein Diskurs über die Existenz des Klimawandels würde jede Ernsthaftigkeit zunichte machen. Spätestens der aktuelle Bericht des UN-Klimarates [Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC 2007] hat in die Wissenschaftlerwelt einen (weitgehenden) Konsens getragen.
Ebenso wie das Bestehen des Klimawandels ist seine Herkunft eine unbestreitbare Tatsache – antrophogene, sprich menschliche, Einflüsse haben ihn hervorgerufen. Hauptursache für den Klimawandel ist die exzessive Verbrennung fossiler Rohstoffe.

Das Ideal der Gerechtigkeit, welches für menschliches Zusammenleben angewendet werden sollte, hängt nicht nur in diesem Punkt schief – aber hier ganz besonders. Die USA emittieren 30,3% des globalen Treibhausgas-Ausstoßes. Demgegenüber hat ganz Europa „nur“ einen Anteil von 27,7% an den Emissionen.
Bleiben wir ein bisschen bei den Zahlen – denn sie sind wahr, authentisch, und deswegen umso bitterer. Die Menschen der globale Oberschicht (die reichsten 20% der Bevölkerung) verursachen mehr als zwei Drittel des Treibhausgasausstoßes.
Der gewöhniche US-Bürger übertrifft allein den globalen Emissiondurchschnitt um fünf mal – pumpt also nicht doppelt so viel wie jeder andere Weltbewohner in die Luft, sondern gleich die fünffache Menge. Und im Vergleich mit Entwicklungsländern schneiden die Amerikaner noch schlechter ab: Der US-Bürger verursacht achtzehn mal so viele Emissionen wie ein Inder.

Klimwandel durch Treibhausgase; die meisten Treibhausgase werden von Industriestaaten und besonders den USA emittiert. Deswegen hat die USA jetzt auch eine Bankenkrise als Gottesstrafe.
Es sind dennoch die Milliarden von Menschen in den Entwicklungsländer, die am meisten von der Katastrophe getroffen werden. (vgl. diesen Eintrag!)

Die Vorsitzende von Friends of the Earth International, Meena Raman schreibt dazu:

„Es ist in der Tat zutiefst unmoralisch, dass dank eines derart verzerrten Wirtschaftssystems [wie wir es in der Welt haben], die Ärmsten weiterhin verdammt sind, mit Tod, Hunger, Seuchen und Mittellosigkeit zu leben. Ihr Menschenrecht auf Entwicklung, ja ihr fundamentales Recht auf Überleben bleibt ihnen aufgrund der Folgen des Klimwandels verwehrt.“

Sie kommt aus Malaysia und ist dort, wie auch international aktiv. Eine besondere Beurteilungskraft muss ihr deswegen ebenso zugestanden werden, wie auch Verbitterung deutlich wird.
Das Zitat verdeutlicht jedoch ein wesentliches Problem im Spannungsfeld zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten einerseits sowie Umwelt und Sozialem andererseits:

Den ärmsten Staaten der Welt widerfährt Ungerechtigkeit. Historisch ist der Beginn dessen mit der Kolonialisierung anzusetzen (was nicht übertrieben ist und bis heute die Staaten beeinträchtigt, da so keine Infrastruktur aufgebaut wurde, die ausreichend ist). Das Welthandelssystem – eher als das Wirtschaftssystem! – ist in der Tat unglücklich ausgelegt, so dass es die Armen benachteiligt. Ob bewusst oder nicht, sei dahingestellt. Und dann kommen noch Umweltprobleme hinzu.
Auch hier ist die Situation doppelt unangenehm: Die Ärmsten der Armen sind Opfer eines unverantwortlichen Umgangs mit der Umwelt in westlichen, reichen Ländern und leiden darunter. Die gleichen Umweltschäden sollen aber als Argument angeführt werden, um ihnen Entwicklung zu versagen.

Was wir uns genommen haben, um Aufschwung zu generieren, dürfen Entwicklungsländer nicht haben, weil es „Umweltschäden hervorrufen“ könne, z.B. fossile Energie. Das ist mit ein Grund, wieso Vertreter der entsprechenden Staaten bei Klimaverhandlungen immer sehr kritisch sind: Solange sie das Gefühl haben müssen, ihre ohnehin gebeutelten Staaten hätten weitere Nachteile, bekennen sie sich nicht zu Umweltschutz.

Kommen wir noch einmal zurück zu Meena Raman. Ihre Verbitterung erzeugt möglicherweise Überschwang. Das Wirtschaftssystem als quasi alleinigen Schuldträger hinzustellen, ist nicht angemessen – aber es darf nicht verleugnet werden, dass es ebenfalls zur Misere beiträgt.
Die Klimadebatte muss von Rationalität geprägt sein. Und es muss klar sein: Die Armen dürfen nicht weiter übergangen werden, vielmehr muss die Klimaschuld an sie zurückgezahlt werden. In welcher Form man das macht, bleibt strittig.
Verschiedene Richtungen dazu werden hier demnächst aufgezeigt.

Eintrag abgelegt unter Hintergrundartikel. Tags: , , , , , , , , , .

Weg vom Öl – Alternativen für die Zukunft Energieverbrauch der USA

2 Kommentare Füge Deinen hinzu

  • 1. Klimawandel rückt erneut näher. Blick in die Presse «  |  6. September 2008 um 11:47

    [...] ist. Weitere Hintergrundinformationen von green.social zum Thema Klimawandel gibt es zum Beispiel hier. Den ausführlichen SpOn-Bericht findet man hier, und die Studie im Auftrag des UBA [...]

  • 2. Beziehungskrise: Wirtschaft & Umwelt «  |  3. November 2008 um 22:12

    [...] Die fatalen Auswirkungen des Klimawandels, wie wir ihn heute erleben, zeigen sich u.A. im angesprochenen IPCC-Bericht 2007 [hier Überblick über die Publikationen]. Auf die ethische Dimension, die Klimawandel zweifelsfrei besitzt, gehen wir hier ein. [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Diesen Artikel zurückverfolgen  |  Abonniere Kommentare via RSS Feed


Aktuelle Artikel

Archiv

Kategorien

gelistet bei

Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis

CC-Lizenz

Creative Commons License
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Es beruht auf einem Inhalt unter greensocial.wordpress.com.

Twitter



Follow

Get every new post delivered to your Inbox.