Öl und Gesellschaft – explosives Gemisch
28. Juni 2008 at 15:07 3 Kommentare
Wir hatten es zuletzt schon angerissen, welche Folgen und Hintergründe der steigende Ölpreis hat. Und am Ende des letzten Artikels waren wir zu der Erkenntnis gelangt, dass die Verknüpfung zwischen einer hohen Abhängigkeit vom Öl einerseits und die sinkenden Reserven andererseits ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen:
Machtvolle Staaten könnten zur Sicherung ihres Zugangs zum Öl imperialistische Instrumente anwenden – Kriege vom Zaun brechen, ein neuer Kolonialismus. Im Zuge dessen müssten auch kleinere Länder gezwungenermaßen zu Gewalt greifen, um nicht vollkommen chancenlos und ohne Öl zu bleiben. Ein Bilderbuch-Schreckensszenario.
Die weniger kaufkräftigen Länder würden durch die (steigende) Preisentwicklung weiter in die wirtschaftliche Apartheid gedrängt – ein Zustand, der sich als Machtgefälle schon heute manifestiert. Wer Macht und Einfluss hat, kann sich den Zugang zu (günstigeren) Ressourcen sichern und auf diesem Wege seine Position weiter ausbauen. Die Schere geht auseinander, und einflussreiche Staaten gewinnen gegenüber den ärmeren Ländern immer mehr und wenden ihre gesteigerte Macht sowohl politisch wie auch wirtschaftlich an.
Weit vor den ökologischen Grenzen (dem Ende der Ölreserven) werden so die sozialen Grenzen der Nutzung fossiler Energieträger sichtbar. Die Endlichkeit des Öls wird zum Destabilisierungsfaktor, noch bevor alle Reserven aufgebraucht sind:
Die „Grenzen des Wachstums“ kehren als geopolitische Konflikte wieder. Vor diesem Hintergrund ist es kaum übertrieben zu sagen, dass die konventionelle, auf fossile Energieträger gestützte Wirtschaftsentwicklung zu einem Großrisiko für die Sicherheit in der Welt geworden ist.
Klar wird also: Nicht nur aus ökologischen Gründen stellt die Abkehr von der Energieerzeugung durch fossile Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas, und z.B. auch Uran) eine zentrale Aufgabe für die Weltgemeinschaft innerhalb unserer Dekade dar.
Rufen wir uns noch einmal ins Gedächtnis: Selbst wenn wir weitermachen wie bisher, ist dem durch die Endlichkeit der Ressource Öl ein Ende gesetzt. 2015 könnte uns das Öl bereits ausgehen. Und, anyway, wird das „Ende des Ölzeitalters“ nicht bestimmt vom Ende des Öls, sondern von der Menge des noch vorhandenen billigen Öls (hier oder hier nachzulesen).
Kommt es zu einem apprupten Ende des Öls – einer harten Landung - wäre der Funke gegeben, der das Öl/Gesellschaft-Gemisch zur Explosion bringt: Die Preise würde anziehen und Öl deswegen gehortet werden – was zu einer weiteren Preissteigerung führt. Das Crash-Szenario geht weiter: Moibilität bricht zusammen, Verkehr kommt zum Erliegen; die Benzinabgabe wird rationiert, das Militär würde Ölquellen, Raffinierien, Energieknotenpunkte, Kraftwerke sichern müssen. Die Weltwirtschaft stürzt in eine nicht enden wollende Krise und ökonomische Rezession, das Leben der Menschen bricht zusammen. Die Grundlage unserer Gesellschaft fehlt.
Besser nicht. Doch was kommt noch dem Öl?
Atomenergie ist, ganz klar, keine Lösung: Sie beruht, wie oben erwähnt, ebenfalls auf fossilen Brennstoffen; sie ist ökologisch und klimapolitisch nicht sinnvoll und erzeugt im Herstellungsprozess fast ebensoviel Kohlendioxid wie ein Gaskraftwerk; für die Sicherheit der Welt ist sie ein noch unüberwindbareres Risiko als andere Energien (in den Händen bestimmter Staaten wollen wir Atomtechnologie nicht sehen, ist Konsens); sie ist nicht nachhaltig, da sie strahlenden Müll mit jahrhundertelanger Halbwertzeit erzeugt, der in der Landschaft herumliegt; sie ist technologisch nicht ausgereift – fatale Unglücke sind nicht ausgeschlossen; und zudem wäre es technisch überhaupt nicht möglich, genug Atomkraftwerke zu bauen, um den Atomstrom-Anteil nennenswert zu steigern (es ist schon schwierig, ihn aufrecht zu erhalten).
Es bleiben allein erneuerbare Energien. Doch die sind nicht überall begeistert aufgenommen: Naturgemäß wollen die Ölförderstaaten, also vor allem Araber und Amerikaner, ihr Öl verkaufen, solange sie es noch haben – und deswegen ist Interesse an erneuerbaren Energien weniger als gering.
Doch auch sie sollten in die Zukunft blicken. Denn auch für die OPEC wird es eine Zeit nach dem Öl geben – und würden sie jetzt die Gewinne a) in Bildung und b) in Erneuerbare investieren, hätten sie für die Zukunft eine gute Perspektive.
Erneuerbare Energien, „Erneuerbare“, Renewables also sollen es sein – Energie aus solchen Energieträgern die quasi unendlich gegeben sind und sich stets selbst erneuern. Windenergie zählt ebenso dazu wie solche aus Sonne, Wasser oder Erdwärme gewonnene Energie, und auch Biomasse wird zu den erneuerbaren Energieträgern gezählt.
Viele von ihnen birgen einen Nachteil: Sie sind nicht konstant, sondern nur erzeugbar, wenn gerade Vorraussetzungen gegeben sind: Die Sonne scheint, Wind weht, etc. Und die Stromspeicherung in großem Maße ist und bislang unmöglich. (Ein nur manchmal möglicher Ausweg ist z.B., in Erzeugungsspitzen mit den überflüssigen Stom Wasser einen Berg hinauszupumpen und in Nachfragespitzen durch Turbinen Strom durch das herabfließende Wasser zu erzeugen).
Wir behandeln demnächst kurz einmal weitere Zukunftstechnologien im Zusammenhang mit der Energie von morgen, und kehren dann zum weiten Feld der Wirtschaft zurück. Da ist nämlich noch einiges aufzuräumen, gerade im Bezug auf green.social – soziale und ökologische Aspekte.
Für heute ist klar: Männer und Frauen fossile Energie und unsere Gesellschaft passen einfach nicht zusammen.
- Zum Thema ausgesprochen spannend zu lesen: Andreas Eschenbach: „Ausgebrannt“. Thriller über das Ende des Öls. Echter Tipp! (bisher leider nur Hardcover, dafür aber aktuell & zeitnah)
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