Grenzen des Wachstums

22. Mai 2008

Das letzte Mal ging es um Bevölkerungswachstum. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen: Die Anzahl der Menschen auf der Erde steigt exponentiell. Und mehr Menschen wollen auch mehr Güter und mehr Wohlstand besitzen – deswegen stellt der Anstieg der globalen Bevölkerung mitunter eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht dar. Genau darum soll es heute gehen.

1972 veröffentlichte der Club of Rome, eine nichtstaatliche „Denkfabrik“ (auch hier im www) eine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. The Limits to Growth, heißt sie und wurde seitdem vielfach veröffentlicht und diskutiert.
Durchgeführt wurde die Studie von Mitarbeitern der „berühmtesten westlichen Denkfabrik“ (laut Buchumschlag) – dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Diese wissenschaftliche Einrichtung existiert auch heute noch und liefert regelmäßig erstaunliche Ergebnisse, die die Forschung voranbringen.

Dabei wurden „erstmals die neuartigen Techniken der wissenschaftlichen Systemanalyse und Computersymulation“ („World3) genutzt, um präzise Prognosen über die Langzeitentwicklung der weltweit verflochtenen Probleme Industrialisierung, Bevölkerungszunahme, Unterernährung, Rohstoffverknappung und Umweltzerstörung abzugeben.
Heute ist derlei Verfahren keine Neuheit mehr; Computermodelle und -analysen sind im Gegenteil unverzichtbares Hilfsmittel geworden, wenn es zum Beispiel um Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung geht.

Die Autoren der Studie, Dennis Meadows et al., schreiben über vieles, was globaler Wandel ist. Dabei haben sie industrielle, ökologische und soziale Systeme im Auge. Vor allem stellen sie Überlegungen an, wie viele Menschen die Erde beherbergen kann, während gleichzeitig das ökologische Gleichgewicht bestehen bleibt. Sie berücksichtigen die vorraussichtlichen Entwicklungen und die Ressourcenreserven der Welt.

„Wettrüsten, Umweltverschmutzung, Bevölkerungsexplosion und wirtschaftliche Stagnation gelten vielfach als die wichtigsten und langfristigsten [Probleme], die die Menschheit heute zu lösen hat. Viele sind der Ansicht, dass das künftige Schicksal der Menschheit, vielleicht sogar das Überleben der Menschheit selbst, davon abhängt, wie rasch und wie wirksam weltweit diese Probleme gelöst werden können.“,

heißt es bei ihnen in der Einleitung. Sie führen dann aus, dass alle Menschen Problematiken meist nur in einem sehr begrenzten Feld betrachten – und das Interesse abnimmt, je weiter sich das Problem in Zeit und Beziehung zu ihnen entfernt. Ein Ereignis, das in drei Jahren einem Bewohner eines anderen Staates zustoßen könnte, interessiert den Durchschnittsbürger danach eher nicht. Deswegen ist auch die Politik stets kurzfristigen Zielen verbunden – denn die Politiker wollen schließlich wiedergewählt werden. Diese Problematik des kurzen Zeithorizonts politisch Verantowrtlicher stellt heute ein Problem bei langfristigen Strategien dar.

Die Autoren führen die „Grenzen exponentiellen Wachstums“ aus. Dabei unterschieden sie materielle Grundlagen und soziale Gegebenheiten.
Zu den ersteren zählen v.A. Rohstoffe, und unter ihnen insbesondere die nicht-regenerativen, also diejenigen, die sich nicht wieder „auffrischen“. Nahrung ist ein Rohstoff, Ackerfläche und Wasser, aber fossile Energiequellen (Kohle, etc.) sind ebenfalls Rohstoffe.
Als soziale Gegebenheiten werden von den Autoren zum Beispiel Frieden, Menschenrechtsbeachtung, soziale Stabilität etc. angenommen.
Zu beiden Gruppen wird verdeutlicht, dass sie „Grenzen“ besitzen: Dass man aus einem Bergwerk nicht unendlich Ressourcen fördern kann, ist klar. Und auch, dass die Menschen sich möglicherweise nicht mehr optimal verstehen, wenn sie sich zu zehnt einen Quadratmeter teilen müssen, ist einleuchtend.

Das ist die einfache Logik und Argumentation von Meadows et al.: Die Prozesse auf der Erde laufen ab in einem komplexen System – einem System, in dem alle Faktoren vernetzt sind und untereinander Einfluss ausüben. Ressourcen und soziale Gegebenheiten haben Grenzen, und wenn die überschritten werden – bäm!

Und da wird es spannend. Denn Umweltverschmutzung und Ressourcenausbeutung steigen immer mehr, unbestritten. Und die Tragfähigkeit der Erde – ein Begriff, den wir später hier noch erklären, wird immer mehr strapaziert.
Jetzt gibt es aber zwei Unsicherheitsfaktoren:

  • unbekannte Maximalgrenzen
  • natürliche Verzögerung

Niemand weiß, wo diese „Grenzen“ tatsächlich liegen. Mit ihrem Computermodell versuchen die Wissenschaftler annähernd zu bestimmen, wann die Ressourcen verraussichtlich am Ende sein werden – doch da man den zukünftigen Verbrauch, den exakten Bestand und etwaigeNeufunde nicht kennt, ist das schwierig. Die Prognose, die die Autoren damals abgaben, traf auch tatsächlich nicht zu. Es hatte sich einfach zu viel geändert. Dennoch, es bleibt die Unsicherheit, wo die „Grenzen“ liegen.
Und zum anderen haben natürliche Prozesse immer eine Verzögerung. Treibhausgase, die heute emmitiert werden, entfalten ihre volle Wirkung womöglich erst in Jahren. Und erst dann tritt der volle Effekt ein. Auch das macht die Vorhersage nicht einfacher.

Auf jeden Fall, das ist die Quintessenz, werden irgendwann Schwellen erreicht, über die Hinaus das Wachstum gefährlich ist und womöglich die „Menschheit in den Abgrund stürzt“.
Die Autoren ziehen Schlussfolgerungen:

1. Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und Ressourcenausbeutung unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht. Mit großer ahrscheinlichkeit führt dies zu einem raschen Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität.
2. Es erscheint möglich, die Wachstumstendenzen zu ändern und einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrecht erhalten werden kann.
3. Je eher die Menschheit sich entschließt, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginnt, desto größer sind die Chancen, dass sie ihn auch erreicht.

Es ist also von den absoluten Grenzen – deren Erreichen ein Kollaps der Erde bedeuten würde – die Rede, und von einem „Gleichgewichtszustand“.
Dieser ist laut Auffassung der Autoren der einzige Weg, der Welt Perspektiven zu erhalten und der Menschheit ein Fortbestehen zu garantieren. Damit haben sie übrigens, ohne es zu wissen, den Begriff der Nachhaltigkeit geprägt (der erst später so genannt wurde). Den Gleichgewichtszustand zu erreichen, sei unbedingt notwendig, und nur durch Wachstumsbeschränkungen möglich.

Gemeint mit dieser „freiwilligen Wachstumsbeschränkungen“ ist eine Verringerung der Bevölkerungsentwicklung, ganz schlicht und einfach.

Für uns sind die „Grenzen des Wachstums“ zu einem festen Begriff geworden. Auch, wenn einige Prognosen des Buchs nicht zutrafen und auch die Grundforderung (Bevölkerungswachstum einschränken) nicht unsere Auffassung ist: Den grundlegenden Zusammenhang fasst das Buch.

Es bleiben zwei Begriffe, denen wir uns noch widmen müssen: Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit. Um diese kümmern wir uns im nächsten Eintrag.

Entry Filed under: Hintergrundartikel. Schlagwörter: , , , , , .

3 Comments Add your own

  • 1. Grenzen erreicht: soziale Balance kippt «  |  3. Juni 2008 at 19:55

    [...] soziale Balance kippt In diesem Blog haben wir vor nicht allzu langer Zeit über die Grenzen des Wachstums geschrieben, und darüber, was die Erde aushalten kann (Tragfähigkeit). Dabei ging es darum, dass [...]

  • 2. Wirtschaftswachstum: Quelle allen Wandels «  |  16. Juni 2008 at 16:27

    [...] allen Wandels An dieser Stelle ging es zuletzt um Effekte des globalen Wandels und um die Grenzen des Wachstums, um Tragfähigkeit und auch um die Wichtigkeit intakter [...]

  • 3. 485954c573  |  18. Juni 2008 at 20:34

    485954c573…

    485954c573…

Leave a Comment

Required

Required, hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Letzte Artikel

Schlagwörter

Atomenergie Auto Bevölkerungswachstum CO2 Demokratie Energie Entwicklungsländer Ethik Europa Fahrrad Finanzkrise fossile Energie Gerechtigkeit Gesellschaft global globaler Wandel Grenzen des Wachstums Kapitalismus Katastrophe Klima Klimaschutz Klimawandel Kopenhagen Krise Limits to Growth Mobilität nachhaltige Mobilität Nachhaltigkeit Politik Ressourcen sozial Treibhausgas Umwelt Umweltschutz Verkehr Wirtschaft Wirtschaftskrise Wirtschaftswachstum Wohlstand Zukunft Ökologischer Fußabdruck Ökonomie Öl Ölpreis ökologie

Archiv

Kategorien

gelistet bei

Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis

CC-Lizenz

Creative Commons License
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Es beruht auf einem Inhalt unter greensocial.wordpress.com.

Meta

Twitter